Tag 16: Back to the basics

Ich komme aus einem sehr entspannten Haushalt in einem 2.000 Seelendorf im beschaulichen Münsterland. Die glücklichen Kühe waren meine Nachbarn (Söbbeke ist keine 10 km von meiner Haustür entfernt), ich hab den ganzen lieben langen Tag draußen rumgetobt und meine Eltern haben mich teilweise nur zum Essen gesehen. Meine Mutter hat die Fenster mit Essig geputzt, meine Oma mit Spiritus. Der Boden wurde mit Neutralseife geschrubbt, das Geschirr ebenfalls, scharfe Reiniger waren verpönt, weil mein Vater als Abwassertechnikmeister wusste, dass davon die Gewässer umkippen und er hat es mir und meinem Bruder auch regelmäßig unter dem Mikroskop auf der Arbeit gezeigt, wie lebendig unser Wasser ist, wenn man kein Chlor reinkippt. Es gab bis auf einen Tag in der Woche, an dem meine Mutter ebenfalls arbeiten war, jeden Tag frisches Essen. Der Freitag war dann für mich der “zweite Nudeltag”, da gab es Reste vom Vortag, und für meinen Bruder und meinen Vater gab es Tiefkühlpizza – oder für alle Fischstäbchen mit Kartoffelpüree aus der Tüte. Wir haben dreimal am Tag gegessen, zwischendurch gab es auch mal Obst und in der Winterzeit hat meine Mutter abends vor dem Kamin Haselnüsse für uns Kinder geknackt. Natürlich gab es auch Süßigkeiten, Wassereis im Sommer und das eine oder andere fettige Gericht, aber eigentlich war damals alles so, wie es heute wieder als Idealbild gilt. Dazwischen haben irgendwelche Gurus behauptet, man müsste fünfmal essen, dürfte Fett und Kohlenhydrate nicht zusammen verzehren und nach 18 Uhr bitte gar nichts mehr.

Im Upcycling waren meine Eltern auch schon ganz groß - die kleine Dani im Treckerreifensandkasten

Im Upcycling waren meine Eltern auch schon ganz groß – die kleine Dani im Treckerreifensandkasten

Ich habe in den letzten Jahren immer mehr gemerkt, dass diese ganzen Erwartungen an jeden einzelnen Menschen uns alle krank machen. Der Druck ist einfach unfassbar groß. Warum kann man nicht essen, wenn man Hunger hat und genau das, worauf man Hunger hat? Warum braucht man 10 verschiedene Reinigungsmittel, wenn man mit wenigen Mitteln genauso viel erreicht? Ab und zu bin ich ein Marketingopfer und wenn ich ein neues Thema habe, was mich begeistert, dann kriege ich schon ab und zu Shoppinganfälle. Das hat sich hier ja auch gezeigt: möglichst schnell möglichst viel Plastik verbannen… Warum eigentlich? Es geht doch auch langsam… erst aufbrauchen, dabei nach Alternativen suchen und dann, wenn man sich sicher ist, was man will, bestellen, selber herstellen oder tatsächlich einfach weglassen. Heute war ich z.B. kurz davor, wieder Neutralseife zu bestellen. 5 Liter Eimer, den man zurückschicken kann – das klingt doch alles gut. Aber eigentlich WILL ich ja kein Plastik nutzen… Ich habe weiter geforscht, weil mich die Option nicht so ganz überzeugt hat, aber der Drang, den Eimer zu bestellen, immer größer wurde und bin dann auf diese tolle Aufstellung gestoßen – wieder von der Initiative, die ich im letzten Post schon verlinkt habe.  Dort finden sich eine Menge Rezepte, die ich gerne ausprobieren würde und mit dem Spülmittel fange ich jetzt mal an. Wenn ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, freue ich mich dann umso mehr, dass ich dem Kaufimpuls nicht gefolgt bin. Tanja, Du hast Recht: Man muss nicht alles haben. Man wird nur leider immer so sehr dazu erzogen und ich bin noch ganz am Anfang meines Weges. Es tut aber wirklich gut, sich dem zu verweigern.

Zum Thema noch zwei Links:

Utopia: Stoppt den Konsumwahn

Trash Backwards: 100 Things You Never Need To Buy

Danke an Zora, die in ihrem aktuellen Post ebenfalls auf die zweite Seite verlinkt hat. Ich werde da sicherlich regelmäßig vorbeischauen 🙂

PS: Heute war wieder ein plastikfreier Tag – und ich hab die Verpackung von gestern (?) schon wieder auf Reisen geschickt.

PPS: Das Deo funktionierte heute phantastisch, die Zahnpasta beim Test heute Abend ebenfalls, mal sehen, was die Langzeitstudie zeigt!

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6 thoughts on “Tag 16: Back to the basics

    1. crystalsmile Post author

      Ich hatte viele davon schon auf anderen Seiten so oder abgewandelt gelesen, aber hier ist alles super zusammengefasst und auf den deutschen Markt abgestimmt 🙂

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  1. katjamant

    Du sprichst mir aus der Seele… Mehr dazu die Tage auf meinem Blog. Ich bin so Happy das du bloggst, denn nicht sage ich zu allem innerlich immer “genau”, Dein Schreibstil gefällt mir dazu auch noch extrem gut!

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    1. crystalsmile Post author

      Das ist so ein netter Kommentar, ich hab ihn unterwegs vor ein paar Stunden gelesen und muss immer wieder lächeln, wenn ich daran denke. Total lieb von Dir! Und ich gebe das uneingeschränkt zurück 🙂

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  2. Selina

    Ich gehöre nicht zu den “Früher war alles besser”- Verfechterinnen, aber teilweise war die Einstellung zu gewissen Dingen doch um einiges entspannter und lockerer. Es ist gut, mehr zu Wissen und dieses Wissen dann auch im Alltag anzuwenden. Allzu viel Kontrolle (wie beispielsweise beim Essen) und zu viel Eifer und Ehrgeiz (Stichwort: 10 verschiedene Putzmittel, um alles “perfekt” zu reinigen) sind aber auch nicht gut. Wichtig finde ich, seinen Hausverstand einzusetzen und Dinge immer kritisch zu hinterfragen. Brauche ich dieses Ding wirklich? Gibt es vielleicht einen anderen, vielleicht unbequemeren aber dafür umweltfreundlicheren Weg? Wer aktiv nach Lösungen sucht und seinen eigenen Glaubenssätzen treu bleibt, wird ganz von alleine einen nachhaltigen Lebensstil ansteuern.

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    1. crystalsmile Post author

      Manchmal ist allerdings das ganze Wissen auch wieder verwirrend. Man muss immer sehen, welchen Weg man einschlagen kann, mit dem man sich am besten identifiziert und hinter dem man steht. Zum Beispiel gibt es im Internet auch unfassbar viele Halbwahrheiten und Sachen, die man vom Hörensagen irgendwo mal aufgeschnappt hat. Das Filtern nach brauchbaren Lösungsansätzen (z.B. in Sachen Zahnpasta oder Sonnenöl) ist alles andere als leicht, wie ich finde.

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